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10.10.2017

Substitution ärztlicher Leistungen „Der Leistungskatalog für Ärzte ist nicht von Gott gegeben“

Berlin (pag) – Substituieren, delegieren oder alles beim Alten belassen? Welche Aufgaben Ärzte in welcher Form an andere Gesundheitsberufe übertragen sollten, daran scheiden sich die Geister, wie beim Kongress für Versorgungsforschung in Berlin deutlich wird.

„Der Leistungskatalog für Ärzte ist nicht von Gott gegeben“, eröffnet die Pflegewissenschaftlerin Prof. Gabriele Meyer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Diskussion. Im Ausland – etwa in den USA und in Australien – sei die Arbeitsteilung im Gesundheitswesen häufig völlig anders gestaltet als in Deutschland. Und auch der Gemeinsame Bundesauschuss bewerte die Substitution ärztlicher Leistungen als „zeitgemäß und angemessen“. Darüber hinaus könne Substitution „entscheidende Hindernisse im Gesundheitswesen abbauen“. Mehr Handlungsspielraum für das Pflegepersonal würde aus ihrer Sicht zudem die Attraktivität des Berufs erheblich steigern.
Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Dr. Max Kaplan, gibt Meyer zumindest in einem Punkt Recht: „Wir brauchen qualifiziertes Personal, um Ärzte zu entlasten.“ Mit dem Konzept Substitution kann er sich jedoch nicht anfreunden. „Warum sollten unsere Patienten auf das hohe Qualifikationsniveau der Ärzte verzichten?“ Die ärztlichen Kernleistungen wie Diagnose- und Indikationsstellung seien ohnehin nicht substituierbar. Sein Fazit: „Die Gesundheitsberufe müssen sich weiter profilieren und professionalisieren, aber nicht unbedingt in allen Bereichen akademisieren.“ Schützenhilfe erhält er vom Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen. Er nennt es einen „Trugschluss, man könne ärztlichen Überblick und ärztliche Qualifikation fragmentieren und würde damit die Qualität der Versorgung verbessern“.
Auch Prof. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, wünscht sich mehr interdisziplinäre Kooperation statt Substitution. „Ärzte können nicht alles und schon gar nicht alles besser als andere Gesundheitsberufe“, stellt der Kassenvertreter klar. Doch im Gesundheitswesen existieren laut Straub bereits zu viele Schnittstellen und Sektorengrenzen, die Probleme bereiten. Daher hält er zusätzliche Verteilungskämpfe und eine Emanzipation der Pflegenden nicht für sinnvoll. Er fordert mehr berufsgruppenübergreifende Vernetzung und ruft zur integrierten Zusammenarbeit in qualifizierten Teams auf.