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08.11.2017

Studie Ökonomischer Druck auf Krankenhäuser

Witten/Herdecke (pag) – Aufgrund des zunehmenden ökonomischen Drucks, der derzeit in Krankenhäusern herrscht, sehen sich Führungskräften nur begrenzt in der Lage, in einer positiven Weise mit den massiven Widersprüchen des Gesundheitssystems umzugehen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Universität Witten/Herdecke (UW/H), das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde.

In 15 Kliniken unterschiedlicher Trägerschaft wurden dazu die am Management beteiligten Akteure (kaufmännische, ärztliche und Pflegedienstleitungen) im Hinblick auf ihre Herausforderungen und Alltagsprobleme befragt. „Führungskräfte nehmen oftmals zynische Haltungen ein oder neigen dazu, nur noch ‚auf Distanz‘ zu managen, um nicht so stark mit den offensichtlichen Problemen der ökonomischen Zurichtung des Krankenhauswesens konfrontiert zu werden“, resümiert Projektleiter Prof. Werner Vogd, Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der UW/H. „Insbesondere für die Zukunft stellt sich die Frage, wie lange der existenzielle Druck auf Krankenhäuser noch aufrechterhalten werden darf, ohne dass die professionellen Kulturen ernsthaft Schaden nehmen.“ Die Untersuchungen haben laut Vogd ergeben, dass zumindest im Bereich der Pflege dieser Punkt vielfach schon überschritten sei, aber auch im ärztlichen Bereich bereits Erosionen zu beobachten seien. Die Trägerschaft spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Die Suche nach dem ethisch vertretbaren Mittelweg

In der mehr als 500 Seiten umfassenden Monografie „Entscheidungsfindung im Krankenhausmanagement“ wird sowohl mit Blick auf die Darstellung der einzelnen Häuser als auch in Bezug auf die unterschiedlichen Berufsgruppen ausführlich herausgearbeitet, wie herausfordernd es für die Krankenhäuser derzeit ist, zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen, ökonomischen Kalkülen und professionellen Rationalitäten einen ethisch vertretbaren Mittelweg zu finden. Es wird auf unterschiedlichen Ebenen nachvollziehbar, warum dies unter den gegebenen Verhältnissen vielen Führungskräften nicht mehr gelingen mag.