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14.11.2017

Landgericht Hamburg Ärztekammer kritisiert Freispruch im Sterbehilfe-Prozess

Berlin (pag) – Das Landgericht Hamburg hat einen 75-jährigen Arzt freigesprochen, der im Jahr 2012 zwei Frauen im Alter von 81 und 85 Jahren tödliche Medikamente gegeben hatte, um aktive Sterbehilfe zu leisten. Die Staatsanwaltschaft hielt dies für nicht für strafbar. Vielmehr warf sie dem Mediziner versuchte Tötung auf Verlangen durch Unterlassen vor, er habe Rettungsmaßnahmen einleiten müssen.

Die beiden Frauen seien sich zudem unsicher gewesen, ob sie tatsächlich sterben wollten, heißt es in der Anklage. Der Hamburger Richter sieht dies jedoch anders: Die Frauen hätten bewusst entschieden zu sterben und dies im Vorfeld geäußert. Die Staatsanwaltschaft legte inzwischen Revision gegen das Urteil ein.
„Das Urteil ist für mich nicht nachvollziehbar, denn der Fall verdeutlicht, wie wichtig und richtig die Entscheidung war, die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung unter Strafe zu stellen“, kritisiert Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), die Entscheidung. Die beiden Opfer hätten laut Montgomery zudem keine todbringende unheilbare Erkrankung, sie wollten lediglich niemandem zu Last fallen und hatten Zukunftsängste. „Das Geschäft mit der Angst vor dem Leid in der letzten Lebensphase ist ethisch nicht vertretbar und die Beteiligung daran ist eines Arztes unwürdig“, lautet der Vorwurf des BÄK-Präsidenten.

Hintergrund Sterbehilfe

Der Deutsche Bundestag hat 2015 beschlossen, die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung unter Strafe zu stellen. Außerdem regeln die Berufsordnungen aller 17 Ärztekammern bundesweit einheitlich, dass es die Aufgabe von Ärzten ist, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern und Sterbenden Beistand zu leisten.