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15.11.2017

Unterversorgung
Babyboom und kein Kinderarzt in Sicht

Berlin (pag) – Der Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ) macht sich Sorgen um den medizinischen Nachwuchs. „Wir brauchen dringend mehr Kinder- und Jugendärzte, um mit dem Babyboom der letzten Jahre Schritt halten zu können“, fordert BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach.

Allein im Jahr 2016 wurden 776.883 Kinder in Deutschland geboren, 18,7 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Vor allem in den großen Städten steigen die Geburtenraten stark. Die Zahl der Kinder- und Jugendärzte habe damit nicht Schritt gehalten. „Ein Fehler der starren Bedarfsplanung, bei der entscheidende Entwicklungen übersehen wurden, etwa die zunehmende Zahl der Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen“, erklärt der Verband in einer Mitteilung. Zudem sei die Überalterung des Berufsstandes unberücksichtigt geblieben: „Derzeit verabschiedet sich ein großer Teil unserer Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand und in den nächsten fünf Jahren werden noch einmal ein Viertel aller Kinder- und Jugendärzte in Rente gehen“, rechnen die BVKJ-Experten vor.

Der Kinderarzt muss dort sein, wo er gebraucht wird

„Die Bedarfsplanung muss endlich an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Und sie muss flexibler werden. Kinder- und Jugendarztpraxen müssen dort sein, wo Eltern sie brauchen, vor allem in den dicht besiedelten Großstadtvierteln oder auch auf dem Land“, fordert Fischbach. Die Weiterbildung in den ambulanten Kinder- und Jugendarztpraxen müsse analog zu den Allgemeinärzten finanziell gefördert werden. „Wir brauchen außerdem auch mehr Freiheit, Ärzte in unseren Praxen anstellen zu können, und die Mehrarbeit durch mehr neue Vorsorgen und Impfungen muss ebenfalls entsprechend vergütet werden“, so der Präsident.