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21.11.2017

Krebsmedikamente Neues Forschungsprojekt gestartet

Heidelberg (pag) – Welche Medikamente sollten primär gegen welche Tumorarten im Kindesalter erprobt werden? Um diese Frage dreht sich das neue Projekt der „Innovative Medicines Initiative 2“ der Europäischen Union, das jetzt gestartet ist: Forschungsinstitutionen, Pharmaunternehmen und Biotech-Firmen kooperieren, um bessere Modelle für die Erforschung von Krebs im Kindesalter zu entwickeln. 

In den vergangenen Jahrzehnten gab es zwar viele Fortschritte in der Forschung, dennoch sterben immer noch jedes Jahr rund 6.000 Kinder und Heranwachsende an Krebs. Der Bedarf an neuen Arzneimitteln, die gegen alterstypische Krebsarten besonders wirksam sind, seien dringend nötig. Diesem Problem widmet sich das neue ITCC-P4-Projekt (Innovative Therapies for Children with Cancer - Paediatric Preclinical Proof-of-concept Platform), das für die nächsten fünf Jahre mit mehr als 16 Millionen Euro gefördert wird – entsprechend den Statuten der „Innovative Medicines Initiative“ als Public Private Partnership je zur Hälfte von der EU (Horizon 2020) und von den beteiligten Unternehmen finanziert.
Für zehn verschiedene Krebsarten im Kindesalter, die heute nur unzureichend behandelt werden können, wollen die Wissenschaftler des Konsortiums insgesamt 400 patientenindividuelle präklinische Modelle entwickeln. Dazu werden Tumorzellen der einzelnen Patienten auf Mäuse übertragen und können dann umfassend in ihrer Biologie untersucht werden.
Das übergeordnete Ziel der Initiative ist es, die Entwicklung neuer Medikamente für krebskranke Kinder zu beschleunigen und Biomarker zu entwickeln, um die Medikamente möglichst passgenau einsetzen zu können. Die Tumormodelle, die bei der ITCC-P4-Initiative in den beteiligten akademischen Forschungszentren entwickelt werden, sollen später für den Aufbau einer umfangreichen und nachhaltigen Plattform bereitgestellt werden mit dem Ziel, daran auch zukünftig Wirkstofftests für Kinder mit Krebserkrankungen durchführen zu können. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie mit den patientenindividuellen Tumormodellen aussagekräftigere Ergebnisse zur Vorbereitung klinischer Studien erzielen, als es momentan mit den üblichen Tests an Krebszellen in der Kulturschale oder an genetisch gleichförmigen Mausstämmen möglich ist.