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22.11.2017

Migration und Gesundheit Ärzte brauchen interkulturelle Kompetenz

Berlin (pag) – Über 18 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland. Es gibt Krankenhausstationen, bei denen der Anteil jener Patienten bis zu 50 Prozent betrage. Darauf weist der türkische Medizinethiker Prof. Ilhan Ilkilic, Universität Istanbul, auf einer Veranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hin. Interkulturelle Kompetenz seien daher wichtig, letztlich komme es aber vor allem auf das Individuum an.

Um Vielfalt in der Praxis geht es bei der KBV-Veranstaltung, „Migration und Gesundheit“ lautet der Untertitel. Diskutiert wird unter anderem über sprachliche und kulturelle Barrieren. Beispiel Dolmetscher: Fungieren dem Patienten fremde Personen als Übersetzer, kann mangelndes Vertrauen zum Problem werden, erläutert Ilkilic. Auf der anderen Seite verschweigen Familienangehörige möglicherweise dem Betroffenen schlechte Nachrichten. Unter dem Stichwort kulturelle Barrieren subsummiert Ilkilic, der Mitglied des deutschen Ethikrates ist, Glaubensüberzeugung, religiöse Grundpflichten und Geschlechterverhältnis – kompliziert kann es etwa werden, wenn religiöses Fasten und der Medikationsplan kollidieren.
Auf der Tagung wird ebenfalls betont, dass Migranten eine sehr heterogene Gruppe darstellen. Die Staatsangehörigkeit reiche nicht, um Menschen mit Migrationshintergrund zu erkennen, stellt der Epidemiologe Prof. Oliver Razum, Universität Bielefeld, fest. Jeder Kulturkreis in sich sei heterogen, ergänzt Ilkilic. Er appelliert daher: „Jeder Patient ist als ein Individuum wahrzunehmen und zu behandeln und nicht lediglich als ein Mitglied seiner sozial-religiösen Gruppe.“