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06.12.2017

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie Mindestmengen-Regelung ein „zahnloser Papiertiger“

Berlin (pag) – Keine Erfahrung, kein Geld: Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) unterstützt die Ankündigung von AOK-Chef Martin Litsch, Kliniken bei Missachtung der Mindestmengen-Regelung für bestimmte Eingriffe nicht mehr bezahlen zu wollen.

Ende November hatte Litsch bei der Präsentation des Qualitätsmonitors in Berlin gedroht, den Krankenhäusern den Geldhahn zuzudrehen, wenn diese sich nicht an die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmengen hielten. Jetzt springen ihm die Operateure zur Seite: Die Mindestmengen-Regelung sei bisher ein „zahnloser Papiertiger“, kritisiert DGCH-Generalsekretär Hans-Joachim Meyer. Aus seiner Sicht müssten Verstöße dagegen mit finanziellen Sanktionen einhergehen. „In dem Moment, wo die Eingriffe nicht mehr bezahlt werden, überlegen sich die Kliniken ganz genau, ob sie diese durchführen oder lieber nicht.“ Stattdessen sollten Chirurgen ihre Patienten öfter mal zu einem in dem betreffenden Bereich erfahreneren Kollegen schicken. „Wenn ich weiß, es gibt einen Besseren, sage ich meinem Patienten, gehen Sie dahin, der macht das mit Liebe.“ Die Kassen, so Meyer, sollten die Mindestmengen „endlich mal durchsetzen“.
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), Prof. Albrecht Stier, pflichtet Meyer bei und ergänzt, der Erfolg eines Eingriffs hänge nicht nur von der chirurgischen Expertise ab, sondern vom gesamten Setting im Krankenhaus. Es sei folglich „völlig undenkbar, dass alle Kliniken dasselbe Portfolio anbieten“. Er fordert die Konzentration chirurgischer Leistungen an Kompetenzzentren. Zu diesem Zweck hat die DGAV das Konzept Mindestmengen aufgegriffen und ausgeweitet. Dabei übersteigen die Anforderungen der Allgemeinchirurgen an ihr eigenes Fach laut Stier die gesetzlichen Mindestmengen deutlich: Für Leistenbrüche sowie für Mast- und Dickdarmeingriffe gilt nach DGAV eine Mindest-Eingriffszahl von 100 Operationen pro Jahr. Dabei habe man den gesetzlichen Mindestmengen nicht vorgreifen wollen. „Aber die Patienten müssen wissen, wo sie welche Qualität erwarten dürfen.“

Die DGAV hat seit dem Start der Initiative im Jahr 2008 rund 330 Zentren als Kompetenzzentren zertifiziert. Eine Übersicht steht auf der Webseite der Fachgesellschaft bereit: www.dgav.de/zertifizierung/zertifizierte-zentren.html