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15.04.2019

Bundestagsdebatte NIPT: Thema mit „gesellschaftlicher Sprengkraft“

Berlin (pag) – In einer Bundestagsdebatte diskutieren Abgeordnete ethische Fragestellungen zum Thema nicht invasive pränatale Bluttests (NIPT). Die Debatte ist nötig, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über die Erstattungsfähigkeit dieser Leistung für gesetzlich Versicherte entscheiden muss.

Der G-BA hatte 2016 ein Methodenbewertungsverfahren zum Test eröffnet. Seitdem schwelt die Frage, ob der Bluttest künftig Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden kann. Der bayerische Abgeordnete Stephan Pilsinger (CSU) und Arzt spricht von einem Thema mit „gesellschaftlicher Sprengkraft“. Der Bluttest solle seiner Meinung nach nur für Risikoschwangerschaften eingesetzt werden, außerhalb dieser Risikogruppen sei der Test ein Schritt in eine gefährliche Richtung.
Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Prof. Claudia Schmidtke (CDU) – ebenfalls Ärztin – gibt zu bedenken, dass der Test bereits seit Jahren angewendet werde und nicht einfach wieder vom Markt verschwinde. Die alternative Fruchtwasseruntersuchung sei mit Risiken behaftet. Mit der Kostenübernahme könne eine verpflichtende psychosoziale Beratung einhergehen, dadurch ließen sich die Eltern besser einbinden. SPD-Gesundheitsexperte und Arzt Prof. Karl Lauterbach schätzt den Bluttest als extrem verlässlich und medizinisch gesehen „schlicht viel besser“ als das jetzige Routineverfahren ein – dieses beinhalte Unsicherheiten und medizinische Risiken. Aus seiner Sicht könne ein besserer Test nicht jenen Frauen vorenthalten werden, die nicht das Geld haben, ihn zu bezahlen. Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) ist zwar der Meinung, dass der Test als Kassenleistung eingeführt werden sollte, aber nicht als Massenuntersuchung. Für sie stelle es einen Widerspruch dar, dass ein riskanter Eingriff bezahlt werde, aber ein ungefährlicher Bluttest nicht. Zudem gebe es mit Blick auf mögliche Testresultate ein Recht auf Wissen und Nichtwissen – daher müsse der Bluttest mit einer fachlichen Beratung einhergehen.
Cornelia Möhring (Die Linke) ist davon überzeugt, dass das Leben keine unterschiedliche Wertigkeit haben dürfe. Dass es schwer auf den Schultern der Frauen laste, wie ungeübt die Gesellschaft mit Behinderungen umgehe, moniert die Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffer – auch sie steht dem Bluttest auf Trisomie 21 kritisch gegenüber. Dieser diene der Selektion, denn die meisten Föten würden abgetrieben.