AnästhesiologieNotfall- und Intensivmedizin krisenfest machen
Berlin (pag) – Es braucht eine digitale Echtzeit-Erfassung aller hiesigen Krankenhauskapazitäten, fordern die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA).
Angesichts der sich verschärfenden sicherheitspolitischen Lage in Europa erarbeiten DGAI und BDA gemeinsam Konzepte für eine krisenfeste notfall- und intensivmedizinische Versorgung. „Die Erfahrungen der Pandemie haben eindrücklich gezeigt, dass unsere bisherigen Strukturen für die neuen Szenarien bis hin zu Kriegsfällen nicht ausreichen“, sagt DGAI-Präsident Prof. Gernot Marx in einer Pressekonferenz. Deshalb seien belastbare Konzepte vonnöten, „die im Ernstfall sofort greifen können – und die müssen finanziert werden“.
Mit einer digitalen Kapazitätserfassung in einem Control-Center könne die bundesweite Steuerung von Intensiv- und Normalstationen ermöglicht werden. Aufbauend auf der digitalen Echtzeit-Erfassung aller Krankenhauskapazitäten müsse das Kleeblatt-Verlegungssystem weiterentwickelt werden. Damit könne eine koordinierte Patientenverlegung auch überregional sichergestellt werden. „Darüber hinaus ist für alle am Kleeblattsystem beteiligten Intensivstationen eine verpflichtende Einbindung in eine telemedizinische Infrastruktur vorzusehen“, heißt es im Papier. Mit dieser könnten Therapien optimiert, Verlegungen reduziert und das System entlastet werden.
Erarbeiten müsse man weiterhin Einsatz- und Notfallpläne, außerdem einen Plan für verbindliche intensivmedizinische Reservekapazitäten. Wichtig seien auch verpflichtende Schulungen, Simulationen und Übungen für medizinisches Personal. Und: „Ein funktionierendes notfallmedizinisches Krisenmanagement erfordert nicht nur räumliche Reserven, sondern auch eine umfassende strategische Bevorratung lebensnotwendiger Materialien, Arzneimittel und Verbrauchsgüter“, heißt es im Papier. „Es gibt kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, glaubt Prof. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, der das Kleeblatt-System mitentwickelt hat.