Kongress„Ohne Gerechtigkeit keine Gesundheit“
Berlin – In welchem Zusammenhang stehen die Lebensverhältnisse zur
Gesundheit der Menschen? Diese Frage wurde auf dem 14. Kongress Armut und Gesundheit diskutiert. Mehr als 1.700 Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Praxis tauschten sich dort über bewährte und innovative Wege der Gesundheitsvorsorge und -förderung aus.
„Soziale Ungerechtigkeit tötet Menschen in großem Maßstab“, sagt Dr. Michael Marmot von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Leiter der WHO-Kommission „Soziale Determinanten von Gesundheit“ stellt auf dem Kongress den gleichnamigen Bericht seiner Organisation vor und gibt Empfehlungen für die Politik. Einkommen, Arbeit, Bildung und Teilhabe seien entscheidende Einflussfaktoren, um gesund aufwachsen und leben zu können, so Marmot. Er betont ferner: „Die Probleme gesundheitliche Ungerechtigkeit betreffen uns alle.“
Nach Einschätzung von Prof. Rolf Rosenbrock vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen kann die wachsende Ungleichheit von Gesundheitschancen auch in Deutschland nicht allein von der Gesundheitspolitik aufgefangen werden. „Entscheidungen über die Verteilung von Gesundheitschancen und damit die Lebenserwartung und Lebensqualität in der Bevölkerung betreffen genauso die Bildungspolitik, Arbeitsmarktpolitik und die Einkommensverteilung.“ Hierzulande habe man lange Zeit Scheuklappen aufgehabt und gehofft, dass die sozialen Differenzen von allein verschwinden würden, kritisiert der Experte, der vor einer weiteren Spreizung der Gesellschaft warnt. „Egalitäre Gesellschaften sind gesünder“, betont Rosenbrock.