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19.03.2020

Genexpressionstests Pathologen widersprechen dem IQWiG

Köln (pag) – Bestimmte Brustkrebspatientinnen können mit dem Oncotype DX auf ihr Rezidivrisiko getestet werden. Kürzlich erteilte das IQWiG weiteren Genexpressionstests eine Absage. Der Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP) kommt bei Betrachtung der IQWiG-Auswertung jedoch zu einem anderen Urteil.

Die in dem Rapid Report vorgestellten Ergebnisse erlaubten den Schluss, „dass die genannten methodisch und klinisch validierten Multigentests in gleicher Weise geeignet sind, Brustkrebspatientinnen der genannten Gruppe mit niedrigem Metastasierungsrisiko bzw. niedriger Gesamtmortalität zu identifizieren“, sagt BDP-Vizepräsidentin Prof. Annette Lebeau. Die Beschränkung auf einen einzigen Multigentest könne und müsse demnach entfallen.
Lebeau nimmt auch Bezug auf die Kritik des IQWiG hinsichtlich mangelnder Konkordanz zwischen Oncotype DX und den anderen untersuchten Genexpressionstests. „Dass der Anteil der Patientinnen, den die Tests der Niedrigrisikogruppe zuordnen, zwischen den Studien und angewendeten Tests schwankt, überrascht nicht. Denn zum einen ist die Zusammensetzung der verschiedenen Studienkollektive nicht identisch. Zum anderen unterscheiden sich die verschiedenen Tests in der Zusammensetzung der analysierten Gene.“ Von Bedeutung für die betroffenen Patientinnen sei stattdessen, dass die untersuchten Tests in der Gesamtheit zu einer vergleichbaren Vorhersage des Gesamtüberlebens und Metastasierungsrisikos führten. Die Annahme, einen bestimmten Test – in diesem Fall den Oncotype DX – als Goldstandard für den Vergleich heranziehen zu können, sei nicht zutreffend, heißt es in der Stellungnahme der Pathologen.
Das IQWiG hatte im Februar im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) darüber informiert, dass es eine Übertragung der Nutzenaussage zum Oncotype DX auf andere Tests „nicht für tragfähig“ halte und begründete dies unter anderem mit fehlenden randomisiert-kontrollierten Studien zu den anderen Testverfahren und einer zu geringen Übereinstimmung bei der Risikoeinschätzung für die Patientinnen.