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12.06.2025

MD BundPflegebedürftige: 90 Prozent leben im häuslichen Umfeld

Berlin (pag) – Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich seit 2014 auf 5,6 Millionen verdoppelt. Dasselbe gilt für die Pflegebegutachtungen, die im gleichen Zeitraum von 1,5 auf über 3 Millionen gewachsen sind. So lauten zentrale Ergebnisse des ersten Reports Pflegebedürftigkeit, der vom Medizinischen Dienst Bund (MD Bund) vorgestellt wird.

„Das Thema Pflege und die Fragen nach der Stabilisierung der sozialen Pflegeversicherung sind in den Vordergrund der politischen Agenda gerückt“, sagt die stellvertretende MD-Bund-Vorsitzende Carola Engler. „Endlich!“ Die wachsende Zahl Pflegebedürftiger sei teils demografiebedingt. Ihren Anteil habe auch die Pflegereform von 2017. Seitdem berücksichtigten Gutachter umfassend körperliche, kognitive, psychische und psychiatrische Beeinträchtigungen zur Feststellung des Pflegegrades. Heißt: Die Schwelle für die Inanspruchnahme von Leistungen sank mit der Reform. Knapp 90 Prozent (fast fünf Millionen) der Pflegebedürftigen lebten im häuslichen Umfeld. Die Pflege übernehmen An- und Zugehörige „oftmals ohne professionelle Hilfe“, hebt Engler hervor. „Und dies bleibt auch bei höheren Pflegegraden bestehen.“ Hierauf sollte man sich fokussieren. „Die Modernisierung der Pflegebegutachtung hin zu einem initialen Fallmanagement wäre der entscheidende Schritt, damit sie einen Beitrag zur bedarfsgerechten Versorgungsplanung der Pflegebedürftigen leisten kann“, fordert Engler. 

Die meisten Antragstellenden (57,4 Prozent) wollten im vergangenen Jahr Pflegegeld in Anspruch nehmen. 11,6 Prozent beantragten ambulante Leistungen und nur 10,2 Prozent vollstationäre Pflege, so Engler. Zumeist stellten Versicherte „erst dann einen Antrag auf Pflegeleistungen, wenn bereits erhebliche oder schwere Beeinträchtigungen vorliegen“. 

Oft seien die MD-Gutachter „die ersten professionellen Kräfte, mit denen Pflegehaushalte Kontakt haben“, so die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Verena Bentele. Sie moniert, dass neben der steigenden Begutachtungszahl ein Problem bestehe, adäquates Personal für Gutachtertätigkeiten zu gewinnen. Deshalb könnten Gutachten nicht immer zeitnah erfolgen. „Mit erheblichen Konsequenzen für die Betroffenen“. Um Kräfte zu bündeln, fordert Bentele, Doppelstrukturen bei Kontrollinstanzen abzubauen. 

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