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09.04.2018

Krankenhaus Pflegemangel in der Intensivmedizin führt zu Engpässen

Berlin (pag) – Auf Deutschlands Intensivstationen zeichnet sich ein gravierenderer Mangel an Pflegepersonal ab. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) hin und appelliert an die Politik, die Rahmenbedingungen für die Intensivpflege neu zu ordnen.

Welche Konsequenzen der zunehmende Personalmangel schon heute habe, zeige eine Online-Umfrage von Prof. Dr. Christian Karagiannidis und Prof. Dr. Uwe Janssens. Sie baten Weiterbildungsbefugte von Intensivstationen um Angaben zu Pflegesituation, Bettensperrungen und Notfallversorgung. Die Auswertung habe gezeigt, dass in den letzten Monaten auf rund 75 Prozent der Intensivstationen Betten gesperrt werden mussten. In 22 Prozent sei dies täglich der Fall gewesen, zumeist mussten zwei oder drei Betten gesperrt werden. „Als Gründe gaben knapp die Hälfte der Befragten (43,8 Prozent) den Mangel an Pflegepersonal an, rund ein Fünftel (18,8 Prozent) einen kombinierten Mangel an Ärzten und Pflegenden“, berichtet Karagiannidis, leitender Oberarzt an der Lungenklinik Köln-Merheim der Kliniken Köln.
Die Notfallversorgung leide ebenfalls unter dem Personalmangel. So hätten lediglich 18 Prozent der Befragten angegeben, dass diese nicht beeinträchtigt war. Der Mangel drücke sich auch im Betreuungsschlüssel von Pflegenden zu Patienten aus, der laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin bei 1:2 liegen sollte, bei schwerem Organversagen bei 1:1. „Tatsächlich muss eine Pflegekraft aber tagsüber 2,5 bis 2,6 Patienten versorgen, nachts sogar durchschnittlich 3,1“, sagt Janssens, Chefarzt am St.-Antonius-Hospital Eschweiler und Generalsekretär der DGIIN.
Sollte sich der Personalmangel weiter verschärfen, werde sich das noch deutlicher auf die Versorgung auswirken. Die Mitarbeiter auf vielen Stationen seien schon jetzt über Gebühr belastet. Um mehr Menschen für die Arbeit in der Intensivpflege gewinnen zu können, bräuchte es eine bessere Anerkennung der hochqualifizierten und verantwortungsvollen Aufgabe, einschließlich einer besseren Vergütung der ständigen Arbeit in Spät-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten, so die DGIIN. Die geplanten Personaluntergrenzen griffen ohne begleitende Förderung und Aufwertung der Intensivpflege zu kurz. Erforderlich sei eine grundsätzliche Reform der Vergütung intensivmedizinischer Leistungen, die die für eine Intensivstation angemessene Personalausstattung separat gegenfinanziert.