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12.04.2024

Leistungserbringer-Kritik Reimann empfiehlt rhetorische Abrüstung

Berlin (pag) – In einer Pressekonferenz kritisieren Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) die Ampel-Politik scharf. Es eint sie die Sorge, dass die hiesige Gesundheitsversorgung den Bach herabginge.

Würden zeitnah nicht die richtigen politischen Weichen gestellt, rissen tiefe Furchen in die Versorgungslandschaft. Kritikpunkte: Die „verfehlte Kostendämpfungspolitik“ bei der Volkskrankheit Paradontitis, empört sich KZBV-Vorstandsvorsitzender Martin Hendges. Zudem vermisst er die vom Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach angekündigten Interventionen im Bereich der „heuschreckenbetriebenen“ Medizinischen Versorgungszentren. Apotheken verzeichneten Negativrekordschließungen – 500 seien seit letztem Herbst weggefallen, so ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Unzufrieden ist sie auch mit der Arzneimittelversorgung: Der Bundesgesundheitsminister habe zugesagt, die Lieferengpässe zu verbessern, stattdessen verschärfe sich die Situation.

Nebst inhaltlicher Kritik fühlen sich die Organisationen ausgeschlossen. Ihre Expertise fände zu wenig Gehör seitens Lauterbach. DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß beanstandet, als Krankenhausvertreter zum ersten Mal seit Amtsantritt des Ministers zu einem Gespräch eingeladen zu sein. KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen wiederum sei durchaus häufig zu Gast bei Lauterbach. Trotzdem habe er nicht das Gefühl, mitzugestalten – vielmehr empfindet er das Gesprächsresultat als deterministisch.

AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann legt den Leistungserbringern dagegen rhetorische Abrüstung ans Herz. „Wir alle, also Leistungserbringer, Krankenkassen und Politik, brauchen schleunigst wieder ein gemeinsames Lage- und Zielbild“, betont sie. Zwar fordern die Organisationen in ihren Augen zu Recht, deren Expertise einzubeziehen. Es mangle aber nicht an finanziellen Ressourcen. „Die Probleme sind hausgemacht.“ Das Gesundheitssystem krankte vor allem an veralteten Strukturen, hierarchischen Arbeitsweisen und verschleppten Reformen.

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