ALBVVGStreit um die Deutungshoheit
Berlin (pag) – Die Versorgung mit Generika funktioniert in Deutschland bereits sehr gut. Zu diesem Ergebnis kommt die Techniker Krankenkasse (TK) im „Lieferklima-Report 2025“. Ein deutlich anderes Urteil fällt dagegen der Verband Pro Generika.
Anlass für die Analysen ist das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG), das Ende 2025 evaluiert werden soll.
Der Industrieverband Pro Generika hat Anfang Dezember eine Analyse des IGES Instituts vorgestellt. Das Ergebnis: Während sich bei Kinderarzneimitteln seit Inkrafttreten des ALBVVG im Sommer 2023 leichte Verbesserungen zeigten, habe das Gesetz in anderen Bereichen nicht gegriffen. Die Zahl der Engpässe bei versorgungskritischen Arzneimitteln sei sogar gestiegen, eine Entspannung der Lage nicht in Sicht. Pro Generika räumt ein, dass die Gesamtzahl der Lieferengpässe leicht gesunken sei, doch die Lage bei unverzichtbaren Arzneimitteln äußerst angespannt bleibe. Die Liste der Wirkstoffe, die als versorgungskritisch gelten und dennoch nicht verfügbar sind, sei länger geworden. Besonders auffällig sei, dass bei Ausschreibungen von Antibiotika europäische Hersteller bei nur etwa 50 Prozent der Wirkstoffe Zuschläge erhielten – Investitionen in Ausbau oder Neuerrichtung von Werken in Europa blieben aus.
Die TK weist darauf hin, dass auf der Lieferunfähigkeits-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Oktober dieses Jahres 35 antibiotische Arzneimittel gemeldet gewesen seien. Der Stand im Juni 2023 vor ALBVVG-Inkrafttreten: 166. Insgesamt stehen laut TK für die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland rund 83.000 Arzneimittel zur Verfügung, darunter rund 1.500 Antibiotika-Produkte. Kassenchef Dr. Jens Baas betont, dass in der oft emotional geführten Debatte um Lieferengpässe die Relationen nicht außer Acht gelassen werden dürften. „Immerhin 98,9 Prozent der Arzneimittel sind hierzulande sofort lieferfähig, und für weitere 0,8 Prozent ist ein identisches Austauschpräparat verfügbar.“
Die TK benennt in ihrem Report Vorschläge, um das System weiter zu verbessern. Ein regionales Mehrpartner-Modell etwa soll dazu beitragen, besonders versorgungsrelevante Arzneimittel noch stärker abzusichern.