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12.07.2019

Gesundheitliche Ungleichheit Studie nimmt Geflüchtete als Indikator in den Blick

Bielefeld (pag) – Forscher an der Universität Bielefeld untersuchen die gesundheitliche Ungleichheit von Geflüchteten. Sie sehen diese Gruppe als besonders benachteiligt an. Mit ihren Erkenntnissen wollen die Wissenschaftler Strategien entwickeln, um die Gesundheit anderer benachteiligter Gruppen zu verbessern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt.

In diesem Jahr fördert die DFG erstmals drei Forschungsgruppen zu Public Health – eine davon an der Universität Bielefeld. Die Forscher beschäftigen sich mit „Fluchtmigration nach Deutschland: ein Vergrößerungsglas für umfassendere Herausforderungen im Bereich Public Health“. Die interdisziplinäre Gruppe mit elf Wissenschaftlern von mehreren Universitäten untersucht, wie durch Kategorienbildung und soziale Zuschreibungen gesundheitliche Ungleichheiten entstehen oder verstärkt werden. Die Forscher achten darauf, wie Geflüchtete als „anders“ definiert und dadurch benachteiligt werden.
Sie betrachten kleinräumige Einflüsse wie eine ungünstige Wohnsituation und kontextuelle Einflüsse wie die Unterbringung sowie die umliegenden Versorgungsstrukturen. Die Forscher nehmen auch das Gesundheitswesen in den Blick. „Ungleichheiten können vom Gesundheitssystem selbst ausgehen, wenn zum Beispiel der Zugang zu notwendigen Behandlungen verwehrt wird“, sagt Gruppensprecher Kayvan Bozorgmehr, der in Bielefeld Professor für Bevölkerungsmedizin und Versorgungsforschung ist. Nach der Analyse wollen die Forscher Konzepte und Strategien zur Reduzierung gesundheitlicher Ungleichheiten vorstellen.
Warum gerade Geflüchtete zum Forschungsgegenstand werden, erläutert Prof. Oliver Razum, zweiter Sprecher und Kollege Bozorgmehrs in Bielefeld: „Bei dieser Gruppe ist die gesellschaftliche Ablehnung oft besonders stark ausgeprägt.“ Razum, Experte für die gesundheitliche Situation von Geflüchteten und Migranten, sieht in der Untersuchung eine große Chance: „Angesichts der gesellschaftlichen Vielfalt in Deutschland können wir aus diesen Herausforderungen auch vieles für eine bessere Versorgung anderer Bevölkerungsgruppen lernen.“