ÄrztemangelTK setzt auf DIHVAs
Berlin/Hamburg (pag) – Die Techniker Krankenkasse (TK) rollt gemeinsam mit der Digitalen Facharzt- und Gesundheitsversorgungsgesellschaft (DFGVG) ein neues Projekt gegen den Hausärztemangel auf dem Land aus. Dabei sollen „Digitale hausärztliche Versorgungsassistenzen“ (DIHVA) Hausärzte entlasten.
Dabei handelt es sich um speziell geschulte Personen, die den ersten Patientenkontakt übernehmen und eine strukturierte Anamnese sowie Routineuntersuchungen durchführen. TK-Chef Dr. Jens Baas sieht eine kluge Aufgabenverteilung als wichtigen Baustein, um die Versorgung auf dem Land zu sichern. „Wir müssen im Gesundheitssystem mehr auf Delegation setzen.“ Neu an dem DIHVA-Konzept sei die Kombination von Delegation mit einem KI-Ersteinschätzungsverfahren. Die Patienten würden so gezielt in die richtige Behandlung gelenkt werden, Diagnose und Therapieentscheidung blieben aber beim Arzt.
Im Herbst 2025 haben die ersten fünf ausgebildeten Versorgungsassistenzen in zwei Hausarztpraxen in Etteln und Olpe in Nordrhein-Westfalen ihre Arbeit aufgenommen. Sie arbeiten dort als mobile Außenstelle der Praxis. Künftig könnten auch Pflegeheime Einsatzorte sein. Nach dem Start der beiden Pilot-Standorte rollen Kasse und DFGVG das Modell jetzt in weiteren Bundesländern aus. Seit Juni sind zusätzlich zwei DIHVAs in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Dort ist das Ärztenetz Haffnet mit vier Arztpraxen dem Projekt beigetreten.
Patientinnen und Patienten bekämen schneller einen DIHVA-Termin und sparten sich den Weg in die Hausarztpraxis, betont die DFGVG. Für Christian Hönnscheidt, Hausarzt am DIHVA-Standort Ueckermünde, ist ein Vorteil des Konzepts, dass „wir das Patientenaufkommen entzerren können, weil ich zeitversetzt zu meiner Assistenz arbeiten kann“.
Beim DIHVA-Modell werden die Assistenzen von einer KI-gestützten Software durch die Behandlung geleitet. DIHVAs können bis zu 50 medizinische Werte erheben, allesamt digital. So ist beispielsweise ein digitaler Rachenspatel im Einsatz oder ein digitales Stethoskop, das Herztöne oder Atemgeräusche aufzeichnet. Die Ergebnisse werden dem Behandler digital geschickt, der diese anschließend per Telefon oder Videosprechstunde mit den Patienten bespricht.