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27.10.2022

Gutachten Unterdeckungen: AOK fordert RSA-Korrektur

Berlin (pag) – Aus dem Gesundheitsfonds fließt zu wenig Geld an die Krankenkassen für die Ausgabendeckung von Pflegebedürftigen, Erwerbminderungsrentnern, zuzahlungsbefreiten Versicherten („Härtefälle“) und Arbeitslosengeld-II-Empfängern. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Forschungsinstituts für Medizinmanagement und der Universität Duisburg-Essen. Auftraggeber ist der AOK-Bundesverband (AOK-BV).
 

Die niedrigste Deckungsquote stellt das Gutachten bei Pflegebedürftigen mit 86,2 Prozent fest. In Euro macht das 1.685. Es folgen die Härtefälle (89 Prozent), Erwerbsminderungsrentner (90,5 Prozent) und Arbeitslosengeld-II-Empfänger (95,3 Prozent). Bei diesen Zahlen sind bereits Risikopool und Regionalkomponente berücksichtigt worden. Der Morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) müsse weiterentwickelt werden, fordert AOK-BV-Vize Jens Martin Hoyer bei der Vorstellung des Gutachtens.

Das sei auch möglich, sagt Prof. Jürgen Wasem, Leiter des Lehrstuhls für Medizinmanagement der Universität in Duisburg-Essen und Mitautor der Studie.

Die gruppenspezifischen Merkmale dieser sozio-ökonomisch benachteiligten Gruppen müssten in den Morbi-RSA-Datensatz aufgenommen werden. „Damit ließe sich deren systematische Unterdeckung vollständig ausgleichen.“ Notwendig sei dafür ein gesetzlicher Auftrag, der an das Bundesamt für Soziale Sicherung erfolgen müsste, sagt Hoyer. Der dort angesiedelte Wissenschaftliche Beirat zur Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs müsse dann Vorschläge machen. Hoyer würde diesen Auftrag schon im geplanten Krankenhauspflegeentlastungsgesetz untergebracht wissen wollen.

Laut AOK-BV bestünden derzeit erhebliche Anreize für Krankenkassen, sich stärker um jüngere, kostengünstigere Versicherte zu kümmern als um vulnerable und sozial schwache Menschen. „Ich unterstelle keiner Kasse, dass das Auswirkungen auf beispielsweise Bewilligungen hat“, betont Hoyer. „Nichtsdestotrotz ist es Fakt, dass man für diese Versichertengruppen definitiv keine auskömmlichen Rückflüsse aus dem RSA hat.“