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28.10.2025

ApothekenreformWarken hält an Plänen fest

Berlin (pag) – Die Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken (CDU) bleibt trotz vielstimmiger Kritik bei ihren Vorstellungen für eine Reform des Apothekenwesens. Das zeigt der Referentenentwurf für ein Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Apotheken sollen deutlich mehr Kompetenzen erhalten.

Dazu zählen Erweiterungen der Impfmöglichkeiten auf alle Totimpfstoffe, neue pharmazeutische Dienstleistungen und, dass Apotheker ohne Vorliegen einer ärztlichen Verschreibung – entweder zur Anschlussversorgung bei Chronikern oder bei „akuten, unkomplizierten Formen bestimmter Erkrankungen“ – Rx-Arzneimittel abgeben dürfen.

Weitere Maßnahmen versprechen mehr Flexibilisierung und Bürokratieabbau. Die Nullretaxation aus formalen Gründen wird ausgeschlossen. Austauschmöglichkeiten von Arzneimitteln werden erweitert: Apotheken sollen vorrätige Arzneimittel abgeben können, sofern rabattierte nicht verfügbar sind. Es soll leichter werden, Apotheken zu gründen, die Anforderungen für Zweigapotheken werden gesenkt und Teilnotdienste in den Abendstunden können bezuschusst werden. Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) sollen nach einer zweijährigen Weiterqualifizierung unter bestimmten Voraussetzungen Apothekenleitungen vertreten dürfen.

Es gibt massive Kritik am Gesetzesentwurf. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband urteilt auf Nachfrage der Presseagentur Gesundheit: „Diese Apothekenreform ist ein Irrweg!“ Co-Bundesvorsitzender Dr. Markus Beier stellt klar: „Wer so krank ist, dass er ein verschreibungspflichtiges Medikament braucht, der muss auch zwingend eine Ärztin oder einen Arzt sehen!“ Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sieht die Patientenversorgung gefährdet. Hauptkritik ist, dass die Erhöhung des Packungsfixums in den Reformplänen komplett ausgespart ist. ABDA-Präsident Thomas Preis äußert sich zudem „schockiert“ über die geplanten PTA-Vertretungsbefugnisse.

Boris von Maydell, Leiter der Abteilung ambulante Versorgung beim Verband der Ersatzkassen, sieht mit der Erhöhung der Nacht- und Notdienstpauschale, der Flexibilisierung der Apothekenleitung und der PTA-Vertretung gute Ansätze. Für den BKK-Dachverband würden mit der Reform zentrale eigene Vorschläge aufgegriffen. „Sie stärkt die Apotheken im ländlichen Raum, reduziert Bürokratie und öffnet das Berufsbild für moderne Leitungs- und Arbeitsmodelle“, so die Verbandsvorständin Anne-Kathrin Klemm. 

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