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07.02.2020

BAH-Veranstaltung Was hilft gegen Lieferengpässe?

Berlin (pag) – Etwa eine Woche vor der Verabschiedung des Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetzes (GKV-FKG), wo es auch um Lieferengpässe bei Arzneimitteln geht, diskutieren Experten auf Einladung des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH) über das Thema.

Im Zentrum der Debatte stehen einmal mehr die Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern und insbesondere die Frage der Exklusivverträge. Die Rabatte belaufen sich auf rund vier Milliarden Euro pro Jahr, sagt Michael Hennrich. Der Fachpolitiker der Unionsfraktion im Bundestag sieht das Modell als etabliert an, dennoch seien die Rabattverträge „in der Öffentlichkeit diskreditiert“. Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apotheker-Verbands, berichtet von verzweifelten Kunden in der Apotheke und Aufzahlungen für Ersatzmedikamente von bis zu 65 Euro, die viele Patienten überforderten.
Mehr Dynamik als bei den Rabattverträgen sei in Sachen Meldepflicht zu beobachten, meint Hennrich. Diese wolle man im Rahmen des GKV-FKG auf die ambulante Versorgung ausweiten.
Auf die gesundheitlichen Auswirkungen der Lieferengpässe verweist Prof. Wolf-Dieter Ludwig als Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Sie könnten der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zufolge „eindeutig Patienten schaden“. Seine Forderung, Lieferverstöße künftig konsequent zu sanktionieren, kommt bei den Unternehmen nicht gut an. Das bedeute ein zusätzliches Risiko, meint Dr. Ralf Mayr-Stein, Vorstandsmitglied des gastgebenden BAH. Zumal die aus BAH-Sicht niedrigen Festbeträge für Medikamente ohnehin viele Unternehmer zum Nachdenken zwängen. Auf einem globalisierten Markt würden die Produkte letztlich „dorthin geliefert, wo am besten gezahlt wird“.