Patientensicherheit über den ganzen VersorgungspfadWelttag: Austausch mit allen Beteiligten an einem Tisch
Zu einem Runden Tisch Patientensicherheit hat der Verband forschender Pharma-Unternehmen anlässlich des diesjährigen Welttages im September eingeladen. Das Expertenpanel bringt die Erfahrungen aus Ärzteschaft, Unternehmen, Apothekerschaft, Patientenvertretung, Wissenschaft und der Aufsichtsbehörde zusammen.
Zum Auftakt der Veranstaltung hält Larissa Brust vom Institut für Patientensicherheit des Universitätsklinikums Bonn einen Vortrag zum Thema „Sicherheitskritische Ereignisse – Eine Frage der Perspektive?“.
Das Thema der Perspektivierung zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Ausführungen. Etwa wenn Brust fragt: Wann ist Patientensicherheit vorhanden und wer beurteilt, was Patientensicherheit ist? Oder wenn sie darauf verweist, dass Studien nur begrenzte Überschneidungen von sicherheitskritischen Ereignissen zeigen, die Patientinnen und Patienten berichten, und jenen, die in anderen etablierten Daten gefunden werden. Brust betont, dass diese Datenquellen nicht im Widerspruch oder in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich ergänzen und die Versorgung aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen. „Wichtig ist, die Sicherheit entlang des gesamten Versorgungspfades zu betrachten“, appelliert die Wissenschaftlerin. Dabei sei die Perspektive der Patientinnen und Patienten mitzudenken, die den gesamten Prozess durchlaufen, und nicht nur einzelne Sequenzen.
Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation
Brust selbst hat im Rahmen einer longitudinalen Beobachtungsstudie Krebspatientinnen und -patienten nach sicherheitskritischen Ereignissen und Bedenken befragt. Die Erhebung, deren vollständige Auswertung noch nicht abgeschlossen ist, sei zwar nicht für den gesamten Behandlungspfad in der Onkologie und auch nicht für andere nicht-übertragbare Erkrankungen repräsentativ, dennoch kann die Forscherin bereits einige vorläufige Tendenzen erkennen. Ein relevanter Anteil der Befragten hat demnach mindestens ein Ereignis gemeldet. In der laufenden Auswertung zeichnen sich dabei Kommunikationsereignisse im Sinne einer unzureichenden oder fehlenden Kommunikation als wiederkehrendes Thema ab. Wiederholt finden sich auch Ereignisse im Zusammenhang mit Arzneimitteln, vor allem mit deren Ausgabe und Verabreichung. Bei den möglichen beitragenden Faktoren schlagen bisher insbesondere Personalfaktoren wie Sprachbarrieren, Stress oder mangelnde Kompetenzen in einzelnen Aufgabengebieten zu Buche, aber auch organisationale Faktoren wie Personalbestand und die Koordination zwischen verschiedenen Versorgungsbeteiligten und damit die Kontinuität der Versorgung. Bei den berichteten gesundheitlichen Folgen treten insbesondere emotionale und psychosoziale Belastungen hervor.
An einem Strang ziehen
Patientenberichte können Brust zufolge wiederkehrende Muster offenbaren, prioritäre Problembereiche sowie Präventionsvorschläge aufzeigen. „Was sie so wertvoll macht, ist, dass sie einen anderen Ausschnitt aus der Versorgung zeigen als andere etablierte Datenquellen.“ Die Wissenschaftlerin weist darauf hin, dass die Angaben zwar Limitationen unterliegen, das treffe aber auch auf andere Daten zu. Herausfordernd sei es, die verschiedenen Datenquellen zu validieren, zusammenzuführen und handlungswirksame Maßnahmen abzuleiten. Das sei auch eine Frage der Verantwortung. Die Forscherin macht deutlich: „Versorgung, Industrie und Politik müssen zusammen ins Handeln kommen und nicht nur jeder einzeln.“ Es komme darauf an, dass alle dasselbe Ziel verfolgen: eine sichere Versorgung zu gestalten.