OrganspendeWiderspruchslösung trifft auf Widerspruch
Berlin (opg) – Die Widerspruchsregelung bei der Organspende lässt den Bundestag nicht los. Nach den gescheiterten Versuchen in den letzten beiden Legislaturen hat eine fraktionsübergreifende Gruppe erneut einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht, den die Abgeordneten am 24. September in erster Lesung – emotional, aber sachlich – behandeln. Doch es gibt auch einen Alternativantrag.
Die Befürworter der Widerspruchsregelung sind der Auffassung, dass dadurch mehr Organspenden in Deutschland ermöglicht werden können. Eine der 254 Fürsprecherinnen und Fürsprecher des Gesetzentwurfs ist Sabine Dittmar. Sie betont: „Die Organspende ist und bleibt freiwillig. Wir verändern nur die Ausgangslage.“ Nicht die Mehrheit müsse handeln, sondern die Minderheit. Schon vorher hat der Bundesrat eine Initiative zur Widerspruchslösung gestartet. Bei der ersten Lesung im Bundestag äußert sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) als Gast zur Causa: In den vergangenen zwölf Monaten seien über 4.800 Menschen auf die Wartelisten hinzugekommen. 600 seien verstorben, weil sie unversorgt blieben. Sein Appell: „Solidarität ist keine Einbahnstraße.“ Martin Sichert (AfD) ist strikter Gegner der Widerspruchslösung. Menschen seien keine „Organlager“ für andere Menschen. „Die Zukunft der Medizin liegt in Organen, die aus Gewebe im Labor gezüchtet werden“, glaubt er.
Als erfolgreiches Beispielland für die Widerspruchsregelung wird immer wieder Spanien angeführt. Der wahre Grund für die gestiegenen Zahlen dort seien aber die verbesserte Ausstattung in den Entnahmekliniken sowie eine bessere Ansprache der Bevölkerung, meint Sven Lehmann (Grüne). Für diese Punkte machen sich Lehmann und 57 andere Abgeordnete im Alternativantrag stark. Hinter diesem steht auch Dr. Kirsten Kappert-Gonther (ebenfalls Grüne). In der Rubrik #90SekGesundheitspolitik der Presseagentur Gesundheit steht sie Rede und Antwort. „Es gibt keine Evidenz dafür, dass durch die Einführung einer Widerspruchsregelung wirklich mehr Organe gewonnen werden können“, bezieht sie sich auf eine Analyse des Max-Planck-Instituts.
Bemerkenswert: Der AfD-Abgeordnete Alexis Giersch spricht sich im Gegensatz zu seinem Parteifreund Sichert für die Widerspruchsregelung aus und erntet für seine Rede Applaus aus den Reihen der Union und SPD und von Bodo Ramelow (Die Linke) und Michael Kellner (Grüne). Dass ein AfDler Beifall aus anderen Fraktionen bekommt, gilt als Novum.