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01.12.2025

OECD-StudieWie Diagnosefehler das Gesundheitssystem belasten

Berlin (pag) – Diagnosefehler haben schwerwiegende Folgen, nicht nur für Patienten, sondern für das gesamte Gesundheitssystem. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beziffert die direkte finanzielle Belastung durch Fehldiagnosen, Unterdiagnosen und Überdiagnosen in einer aktuellen Studie auf 17,5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben eines typischen OECD-Landes.

Die Studie „Ökonomie der Diagnosesicherheit“ stellt die OECD in einer Online-Veranstaltung vor. Dr. Ingo Härtel, stellvertretender Referatsleiter Gesundheitsrecht im Bundesgesundheitsministerium, bricht dort die Zahlen auf die Bundesrepublik herunter. „In Deutschland würde dies einem Betrag von rund 94 Milliarden Euro pro Jahr entsprechen.“ In der Studie heißt es, dass eine Halbierung der Fehlerquote zu Einsparungen in Höhe von acht Prozent der Gesundheitsausgaben führen könnte. Die Effizienzen zu heben, sei aber nicht einfach, meint Härtel. Sektorenübergreifend seien Veränderungen notwendig. Härtel nennt unter anderem die Einführung diagnostischer Standards, die Prüfung der Diagnoseleistung sowie die bessere Nutzung der digitalen Gesundheitsarchitektur. Eine verbesserte Diagnosesicherheit lohne sich nicht nur, um Patientenleid zu mindern, sondern sei auch ökonomisch sinnvoll. „Für jeden investierten Euro kriegen sie drei Euro an Gesundheitsleistungen zurück“, so Härtel.

Dr. Ruth Hecker hat in der anschließenden Diskussion Verbesserungsvorschläge parat. Die zu diesem Zeitpunkt noch Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit spricht sich für Shared Decision Making aus. Ein weiteres Mittel sei Patienten-Empowerment. „Die Evaluation der Patientenerfahrung fehlt uns komplett“, setzt sie sich außerdem für das Konzept der Patient-reported experience measures (PREMs) und auch für Patient-reported outcome measures (PROMs) ein. Prof. Martin Kreis, Vorstand Krankenversorgung bei der Berliner Charité, hofft durch die Einführung von Leistungsgruppen im Zuge der Krankenhausreform auf ein Eindämmen von Mengenausweitungen und so auf weniger Überdiagnosen.