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02.08.2019

Forschung Wie wirksam ist klinische Ethikberatung?

Halle (pag) – In vielen Krankenhäusern gibt es eine klinische Ethikberatung. Sie soll Patienten, Angehörige und Behandler bei ethisch schwierigen Entscheidungen unterstützen. Wie sich diese Beratung auf die klinische Praxis auswirkt, hat ein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam untersucht. Der Forschungsstand hierzu scheint überschaubar zu sein.

Das Fazit der Forschenden unter Leitung des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, lautet: Zwar zeigen einzelne Studien positive Auswirkungen auf die Zufriedenheit mit der Patientenversorgung und eine Unterstützung der Konsensfindung in schwierigen Entscheidungssituationen. Dennoch reiche der Forschungsstand zur Wirksamkeit von Ethikberatung nicht aus. „Es besteht ein Mangel an qualitativ hochwertigen Studien zur Evaluation der Wirksamkeit“, sagt Institutsmitarbeiter Stephan Nadolny. Für solche Forschungsarbeiten sei eine enge Zusammenarbeit von Medizinethikern mit Wissenschaftlern der Gesundheitsforschung und weiteren Disziplinen erforderlich, ergänzt der Direktor des Instituts, Prof. Jan Schildmann. Er hat die Forschungsarbeiten geleitet.
Schildmann verweist auf unterschiedliche Vorgehensweisen bei klinisch-ethischen Einzelfallberatungen. Es gebe Kliniken, in denen Ethikberater selbstständig aktiv werden, um ethische Konflikte zu identifizieren. „In Deutschland ist eine verbreitete Form aber die vom Behandlungsteam angefragte Beratung.“ Nach Einschätzung des Professors muss sich eine erfolgreiche Ethikberatung auch an die Bedürfnisse der Beteiligten in der klinischen Praxis anpassen. „Am Universitätsklinikum Halle bieten wir beispielsweise neben der ethischen Fallberatung auf Anfrage auch Ethikvisiten und wöchentliche Fallbesprechungen an.“

Infokasten
An dem mehrjährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt waren auch Wissenschaftler aus Bochum, München und Amsterdam beteiligt. Die Arbeit des Teams wurde gerade als Cochrane Review veröffentlicht.
Link:
www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD012636.pub2/epdf/abstract)
Gleichzeitig ist eine weitere Publikation im Journal „BMC Medical Ethics“ erschienen.
Link: doi.org/10.1186/s12910-019-0381-y).