KVWLZeit für das Praxiszukunftsgesetz?
Dortmund (pag) – Digitalisierungskosten dürfen nicht allein an den Praxen hängen bleiben, mahnt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) Anke Richter-Scheer in einer Pressekonferenz. Ein Praxiszukunftsgesetz sei vonnöten.
Insgesamt gebe es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Digitalisierungsgrade, so Richter-Scheer. Zwar verfügten 95 Prozent der Praxen in Westfalen-Lippe über eine grundlegende digitale Infrastruktur. Nebst Digitalisierungsvorreitern gebe es aber Praxen, die überwiegend auf Papier arbeiteten. Richter-Scheer drängt auf ein Praxiszukunftsgesetz. Analog zum Klinikbereich sehe das Gesetz die Einführung eines Investitionsförderprogramms durch den Bund vor. Richter-Scheer dazu: „Dadurch könnten die Praxen Förderanträge über die jeweilige Landes-KV stellen, um Ausstattung und Betrieb einer digitalen Praxis sicherzustellen. Dieses Thema muss die Bundesgesundheitsministerin jetzt zügig angehen“.
Praxen in Westfalen-Lippe bremsten Digitalisierung nicht aus – „ganz im Gegenteil!“, lobt Richter-Scheer. Engagiert habe sich die KVWL sowohl beim elektronischen Rezept als auch der elektronischen Patientenakte (ePA) als Modellregion. Die übrigens laufe zunehmend runder.
Die Digitalisierung vorantreiben sollen auch Digi-Manager. Die Bezeichnung erhält nichtärztliches Praxispersonal, das an einer entsprechenden Fortbildung teilnimmt. Teil dieser: Teilnehmer ermitteln systematisch, wie weit ihre Praxis in puncto Digitalisierung aufgestellt ist. Initiiert wurde die Fortbildung von der KVWL. „Die Praxisteams haben dadurch einen echten Digitalisierungsschub erhalten“, so Richter-Scheer.
Auch Patientensteuerung ist eng verbandelt mit Digitalisierung, betont KVWL-Chef Dr. Dirk Spelmeyer. Wichtige Steuerungselemente seien die Patientenhotline 116117 und die Online-Plattform 116117.de. „Der Weg über die 116117 entlastet die Praxen und sorgt dafür, dass knapper werdende Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden,“ erklärt Spelmeyer. Derzeit werde das Angebot ausschließlich durch die KVen finanziert. Der KVWL-Chef fordert: „Wenn dieser Service ausgebaut werden soll, muss der Bund entsprechende Investitionen tätigen.“