HNO-ÄrzteZu wenig Honorar: Jeder dritte gibt Kinder-OPs auf
Neumünster (pag) – Eine bundesweite Mitgliederbefragung des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO) zeigt: Der Bedarf an HNO-Operationen bei Kindern ist unverändert hoch, die Wartezeiten sind lang und immer mehr niedergelassene HNO-Ärztinnen und -Ärzte geben das ambulante Operieren aus wirtschaftlichen Gründen auf.
Der Bedarf an OP-Kapazitäten für eine Tonsillotomie (Mandelverkleinerung) oder Adenotomie (Entfernung der vergrößerten Rachenmandel) mit Einlage von Paukenröhrchen beziehungsweise die Kombination der Eingriffe ist hoch: 59 Prozent der Befragten sehen pro Quartal weiterhin 11 bis 50 Kinder mit gesicherter Operationsindikation, 31 Prozent nennen 11 bis 25 Kinder und 28 Prozent 26 bis 50. Gleichzeitig warten Kinder heute meist ein halbes Jahr oder länger auf einen OP-Termin: 71 Prozent der Kinder müssen nach Angaben der Befragten vier Monate oder länger warten. Termine innerhalb von vier Wochen gibt es praktisch nicht mehr. Als Folgen für die Kinder nennen die Befragten vor allem eine verzögerte Sprachentwicklung (88 Prozent) und anhaltende Hörminderung (82 Prozent).
Von den 708 Befragten, die Angaben zu ihrer persönlichen OP-Tätigkeit machten, haben 33 Prozent HNO-Kinderoperationen vollständig aufgegeben und weitere 21 Prozent den Umfang reduziert. Die Folgen für die Versorgung: 55 Prozent überweisen Kinder ohne zeitnahen Termin an ein Krankenhaus, weitere 30 Prozent an einen anderen ambulanten Operateur. 73 Prozent der Befragten berichten, dass Eltern selbst nach einer Operationsmöglichkeit suchen müssen und 62 Prozent führen die konservative Behandlung fort.
Als wichtigsten Grund für die Einschränkung oder Aufgabe ihrer Operationen nennen 59 Prozent der 387 Antwortenden die unzureichende Vergütung der Eingriffe. 18 Prozent berichten, dass ein OP-Zentrum oder Krankenhaus die OP-Möglichkeit eingeschränkt oder beendet hat. Von den 264 Befragten, die die Wirtschaftlichkeit nach EBM bewerteten, halten 91 Prozent HNO-Kinderoperationen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für eher nicht oder nicht wirtschaftlich erbringbar.
46 Prozent der Befragten geben an, ihre operative Tätigkeit bei einer besseren Vergütung sicher wieder aufzunehmen oder auszuweiten. Weitere 30 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass sie ihre OP-Tätigkeit unter diesen Bedingungen wieder intensivieren würden. Die von den Befragten genannten zusätzlichen Kapazitäten summieren sich auf schätzungsweise rund 30.000 Eingriffe pro Jahr. Zum Vergleich: Die aktuell operierenden Befragten erbringen zusammen 43.859 Eingriffe pro Jahr.