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Literatur
25.08.2026

Schneider, U. 2026„Mutti, komma ans Fenster“

Westend, Neu-Isenburg

Die Öffentlichkeit kennt ihn wohl als bekanntesten Soziallobbyisten Deutschlands. Dass Ulrich Schneider, der ehemalige Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Bücher veröffentlicht, ist nichts Ungewöhnliches. Bisher trugen sie Titel wie „Krise. Das Versagen einer Republik“ oder „Solidarpakt gegen die Schwachen. Der Rückzug des Staates aus der Sozialpolitik“. Sein neuestes Werk fällt nicht nur wegen des Titels aus der Reihe, sondern auch wegen des Inhalts. „Mutti, komma ans Fenster!“, heißt es. Darin blickt Schneider biografisch auf seine Arbeiterkindheit. Den Leser entführt er dabei ins Oberhausen der 1950er- und 1960er-Jahre, in die 50-Quadratmeter-Wohnung, in der sie zu viert lebten, in die Kneipe, in der ordentlich geraucht und getrunken wurde. „Dieser Kultur konnte man sich gar nicht entziehen“, erzählt Schneider bei der Vorstellung seines Buches im Werkhaus Berlin. So ganz lassen von der Sozialpolitik kann Schneider aber auch in „Mutti, komma ans Fenster!“ nicht. Gegen Ende des Buches rechnet er mit der Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder ab und geht hart ins Gericht mit der Coronapolitik der damaligen Großen Koalition. Während in der Pandemie „gigantische Summen“ für die Wirtschaft bewegt worden seien, hätte man wenig für die Armen getan. Schneider schreibt: „Es dauerte bis Januar 2021 – ein ganzes Pandemiejahr –, dass sich die Koalition dann zu zehn kostenlosen FFP2-Masken für Grundsicherungsempfänger durchringen konnte. Eine Farce.“