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Literatur

Huber, C. A. 2009 Kostenbeteiligungen: Schaden oder Nutzen für die Gesundheitsversorgung

Verlag Hans Huber Bern

In Gesundheitssystemen suchen Politiker und Experten permanent nach Wegen, die Indikationshäufigkeit zu senken und das Inanspruchnahmeverhalten der Patienten zu steuern. Wer mehr Vorsorge betreibt, muss seltener zum Arzt gehen und verursacht weniger Kosten, lautet dabei ein Grundgedanke. Gleichzeitig steht das Konzept im Raum, über Kostenbeteiligungen dem Patienten in Deutschland ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen – wie beispielsweise der Arztbesuch –  einen finanziellen Aufwand für das Gesundheitssystem darstellt. Dabei ist die Frage, ob wir seltener zum Arzt gehen, wenn wir dafür direkt ins Portemonnaie greifen müssen, noch nicht abschließend beantwortet.
Carola A. Huber versucht im vorliegenden Buch, eine Antwort in der vergleichenden Wirkungsanalyse mit der Schweiz zu finden, wo Selbstbeteiligungen schon länger üblich sind. Huber kreiert ein künstliches Experiment, um einen eventuellen Zusammenhang zu erklären. Schlussendlich stellt sie fest, dass es einen signifikanten, belastbaren Einfluss auf die Zahl der Arztbesuche gibt, dieser aber für verschiedene Bevölkerungsgruppen stark differiert. Bei Frauen, über 60-jährigen und nicht verheirateten Personen ist er besonders stark, hingegen zeigten sich Gutverdiener, Gesunde und Personen mit hohem sozialem Status vergleichsweise resistent. Ob diese Wirkung einen positiven Effekt auf die Gesamtbilanz des Gesundheitssystems hat, zieht die Autorin allerdings in Zweifel.