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03.05.2021

Sterbehilfe Das Stimmungsbild der Krebsmediziner

Berlin (pag) – Die assistierte Selbsttötung ist bei Krebsmedizinern kein Alltagsphänomen. Das ergibt eine aktuelle Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), an der 750 Mitglieder teilgenommen haben. Bei ihnen zeigt sich außerdem eine geringe Unterstützung für ein berufsrechtliches Verbot.

Die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte, die eine ärztlich assistierte Selbsttötung grundsätzlich ablehnen, ist in etwa so groß ist wie die Anzahl derjenigen, die eine ärztlich assistierte Selbsttötung grundsätzlich oder unter bestimmten Bedingungen in Betracht ziehen. Lediglich jeder Vierte befürwortet ein entsprechendes Verbot. Diese Umfrageergebnisse stellt Studienleiter Prof. Jan Schildmann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, vor.

Etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmenden wurde in ihrem Berufsleben schon einmal um Informationen zum Vorgehen bei einer assistierten Selbsttötung gebeten. Bei der konkreten Frage nach einem Rezept für ein tödliches Medikament ist es nur noch ein Drittel der Befragten. Und rechnerisch mehr als neun von zehn Umfrageteilnehmenden geben an, noch nie Assistenz zur Selbsttötung geleistet zu haben. Schildmann betont, dass es sich bei der assistierten Selbsttötung um kein Alltagsphänomen handelt: „Unsere Zahlen zur Praxis decken sich mit internationalen Daten, nach denen die assistierte Selbsttötung selten ist.“

Unter welchen Bedingungen würden Onkologen eine Assistenz zur Selbsttötung erwägen? Mit Abstand am häufigsten genannt werden „Freiverantwortlichkeit“ und „unkontrollierbares Leiden“.

„Die Diskussion über die assistierte Selbsttötung fordert das ärztliche Selbstverständnis heraus“, sagt Schildmann. Es sei wichtig, in der Ärzteschaft zu diskutieren, welche Aufgaben aus welchen Gründen von Ärzten übernommen werden sollten. „Unbenommen davon ist, dass Ärztinnen und Ärzte eine Assistenz immer auch ablehnen können.“

Die DGHO-Umfrage wurde vom 12. bis zum 31. März durchgeführt.