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30.07.2020

Schmerzmedizin Regierung erteilt Aktionsplan eine Absage

Berlin (pag) – Mit der Schmerzversorgung befasst sich eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag. Obwohl die Fragesteller „massive Defizite“ ausmachen, sieht die Bundesregierung keinen Anlass für einen übergeordneten Aktionsplan gegen Schmerz.

Die Fragesteller um Prof. Andrew Ullmann wollen unter anderem wissen, wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden durch Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung als Folge von Schmerzen ausfällt. Die Antwort der Bundesregierung fällt mager aus: Es lägen schlichtweg keine Daten dazu vor. Ullmann verweist auf mehrere Gesundheitsreporte von Krankenkassen sowie eine Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags und wirft der Regierung vor, die Augen davor zu verschließen.

Um die Versorgung von Schmerzpatienten zu verbessern, plädiert Ullmann für einen nationalen Aktionsplan. Auch hier besteht Uneinigkeit: „Schmerz ist ein allgemeines, unspezifisches Symptom und tritt bei sehr vielen Krankheiten auf“, argumentiert die Bundesregierung. Es handle sich somit um ein „Querschnittsthema“, ein nationaler Aktionsplan zur Schmerzversorgung sei nicht geplant. Ullmann ist empört: „Wir sprechen hier nicht von Schmerzen durch ein aufgekratztes Knie auf dem Bolzplatz, sondern von chronischen Schmerzen wie Rückenschmerzen.“ Unterstützung erfährt er vom Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin Dr. Johannes Horlemann: „Ein nationaler Aktionsplan Schmerz wäre notwendig, weil damit verschiedene Berufs- und Interessengruppen an einen Tisch gebracht werden.“

Auch dem Konzept einer spezialisierten ambulanten Schmerzversorgung nach dem Vorbild der Palliativmedizin erteilt die Bundesregierung eine Absage: Aufgrund der besonderen Bedarfe in der Palliativversorgung sei das Konzept nicht auf kurative Einzeltherapien übertragbar. Beim Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) herrscht Unverständnis. „Die Bundesregierung irrt in ihrer Annahme, dass die Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen allein kurativ ausgerichtet ist“, sagt der BVSD-Vorsitzende Prof. Joachim Nadstawek.