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04.03.2019

Künstliche Intelligenz Haftet nur Arzt allein?

Berlin (pag) – Künstliche plus menschliche Intelligenz: Wird beides gut vernetzt, kann das Ärzte entlasten und die Versorgung von Patienten verbessern. Für Mediziner wichtig wird aber noch die Haftungsfrage sein. 

Besonders bei selbstlernenden Systemen der künstlichen Intelligenz (KI) sieht Prof. Georg Marckmann, Medizinethiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Klärungsbedarf. Sie verarbeiten große Mengen an Daten, sind durch ihre „Selbstlernfunktion“ in gewissen Maßen autonom, dadurch für Ärzte aber wenig transparent. Solche selbstlernenden KI-Systeme, die zum Beispiel Diagnosen stellen können, seien für Mediziner eine Blackbox, sagt Marckmann auf einem Symposion der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen in Berlin. „Kann der Arzt die Verantwortung übernehmen, wenn die KI für ihn eine Blackbox ist?“, fragt Marckmann. Dies sei unbedingt zu klären, bevor Künstliche Intelligenz zum Einsatz komme. Der Ethiker selbst hält eine alleinige Haftung der Ärzte für nicht adäquat. Besser sollte die Verantwortung auf Mediziner und Systementwickler aufgeteilt werden. Lösungen müssten auch für den Fall entwickelt werden, dass KI-Systeme in Zukunft besser sind als Ärzte. „Muss der Arzt dann das Ergebnis kontrollieren, übernimmt er die Verantwortung?“

Grundsätzlich, lautet die Botschaft des Symposions, müsse kein Mediziner Angst vor dem Einsatz von KI haben. Zum einen seien die Systeme noch lange nicht so weit, Ärzte komplett zu ersetzen. Zum anderen könne ihr Einsatz als „Werkzeug“ Ärzte entlasten. „Die einfachen Sachen muss nicht der Arzt machen“, sagt Prof. Arno Elmer, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der gematik und heute Chef des Unternehmens Innovation Health Partners. KI solle Medizinern helfen, nicht nur die Qualität der Versorgung zu verbessern, sondern sich auch wieder mehr „auf die Mensch-zu-Mensch-Ebene zu konzentrieren“, so Christian Klose vom Bundesgesundheitsministerium. Im ambulanten und pflegerischen Bereich finde momentan allerdings nichts „Signifikantes in Sachen KI statt“, moniert Elmer. Den Grund dafür sieht er in dem Vergütungssystem, das darauf ausgerichtet sei, dass nichts mit Künstlicher Intelligenz passiert.